JODI


  


„Fighting back computer“ – Nam June Paiks Motto „Fighting back television“ auf die heutige Zeit umgesetzt – so kann man die Basis von JODIs Arbeiten formulieren, die sich seit den 1990ern kritisch mit dem mächtigsten Medium unserer Generation beschäftigen. Strukturen und Funktionsweisen des Internets deuten sie in ihren Werken künstlerisch um und setzen sie Manipulationen und Zerstörungsprozessen aus. Damit gehört das Künstlerduo JODI zu den Pionieren der Netzkunst und zu d en Ersten, die originäre Kunstwerke im World Wide Web schufen.
 

Dass das Internet das Versprechen eines freien, demokratischen Informationsraumes nicht erfüllen kann, wird durch Entwicklungen wie die Google-Optimierung von Websites oder personalisierte Werbung immer deutlicher: Wirtschaftliche und politische Machtverhältnisse bestimmen auch hier die Inhalte. JODIs Arbeiten dekonstruieren die gewohnten, festgefahrenen Strukturen des Netzes, indem sie Prozesse, die sich sonst im Hintergrund abspielen, in den Fokus rücken: Quellcodes, Störungen und Fehlermeldungen bestimmen die Seiten, auf denen der User droht die Kontrolle zu verlieren. Die sonst auf ihn zugeschnittene nutzerfreundliche Oberfläche wendet sich gegen ihn. Zum archetypischen Net Art-Projekt wurde die Seite wwwwwwwww.jodi.org von 1995: Das blinkende, unleserliche Durcheinander der Webpage beruht auf dem Bild einer Bombe, das in den Quellcode eingefügt wurde. Der Browser versucht, es als HTML-Datei zu interpretieren – und es auf dem Schirm explodieren zu lassen, als sollten die Inhalte des World Wide Webs gesprengt werden. Ein paar Jahre später wenden sich JODI auch Software-Kunst und künstlerischer Modifikation von Computerspielen zu, die sie wie schon die Websites ad absurdum führen, indem sie dem Spieler die Kontrolle und den Spielen ihren Sinn entreißen. In ihren Performances bearbeiten sie das Internet auch physisch, wie z.B. in Folded Screen Series durch Zerknautschen eines aus flexiblen LEDs  bestehenden Screens, der mit dem Internet verbunden ist, oder Einwickeln des Körpers in denselben. „It is obvious that our work fights against high tech,“ so JODI 1997 in einem Interview. „We also battle with the computer on a graphic

al level.“ Sowohl formalistisch als auch konzeptionell bilden JODIs Arbeiten eine radikale Auseinandersetzung mit den digitalen Medien unseres Alltags, einen Kampf gegen ihre Selbstverständlichkeit und Absolutheit.

 

JODI, bestehend aus Joan Heemskerk (*1968 in den Niederlanden) und Dirk Paesmans (*1965 in Belgien), haben ihre Hintergründe in Fotografie und Videokunst – Paesmans studierte u

nter anderem unter der Leitung von Nam June Paik an der Kunstakademie in Düsseldorf. An der Universität von San Jose im Art and Computer Lab der Klasse von Joel Slyton beschlossen die beiden 1995, sich dem Medium Internet zuzuwenden. Sie waren seitdem in zahlreichen Ausstellungen vertreten, u.a. im Stedelijk Museum, Amsterdam, National Taiwan Museum of Fine Arts, Guggenheim Museum, New York, SFMOMA, San Francisco, Centre Pompidou, Paris, Nam June Paik Center, Korea, Hartware Medien Kunst Verein, Dortmund, NTT/ICC, Tokio, ZKM, Karlsruhe, Witte de With, Rotterdam, sowie auf der Documenta-X, Kassel (1997). JODI leben und arbeiten in Dordrecht, Niederlande.